1826 eröffnet in der Kühnertsgasse, nahe der Lorenzkirche in Nürnberg, der Nadel- und Fischangelmacher-Meister Ernst Ludwig Hummel eine Werkstatt mit Laden. Er stellt bald nicht nur Nadeln und Angelhaken, sondern auch „Haken und Ösen“ als Bekleidungsverschlüsse her.

1852 übernimmt der Schwiegersohn Carl Distel das Geschäft. Schon bald geht er von reiner Handarbeit auf eine Produktion mit fuss- und handbetätigten Maschinen über. 1865 wird der Betrieb in die heute nicht mehr bestehende „Rothschmieds-Mühle“ an der Pegnitz verlegt und die Maschinen können mit Wasserkraft angetrieben werden.

1872 zieht die „Nürnberger Haken- und Ösen-Fabrik“ um in die Neudörferstrasse nahe des heutigen Hauptbahnhofs, wo sie die nächsten 126 Jahre bleiben sollte. Eine Dampfmaschine betrieb die inzwischen zu Automaten weiterentwickelten Maschinen. Diese damals moderne Fertigungsmethode brachte der Firma großen Aufschwung.

Als die in viele Länder exportieren Haken und Ösen durch die Erfindung des Druckknopfes allmählich zurückgedrängt werden, weitet man das Programm auf andere Artikel aus. Die Chronik meldet eine Belegschaft von 15 männlichen, 18 weiblichen und 55 Heimarbeitern sowie einen Bestand von 50 Maschinen. Produkte sind modischer Schmuck, Ketten, Spielwaren und inzwischen auch Spezialteile her.

1897 stirbt Carl Distel und sein Sohn Fritz Distel übernimmt den Betrieb. Der industrielle Aufschwung bringt eine zunehmende Arbeitsteilung mit sich: es entstehen Zuliefer-Betriebe. So stellt sich die Firma unter Beibehaltung des bisherigen Programms verstärkt auf die Fertigung von Einzel- und Spezialteilen ein, deren Form und Ausführung von den Abnehmern vorgeschrieben wird. Neben Draht wird nun auch Blech verarbeitet. Es erfolgt die Umstellung von Dampfkraft auf elektrische Energie und ein systematischer Werkzeugbau sowie eine Galvanik werden eingerichtet.

Während des 1. Weltkriegs (1914 – 1918) geht der Export und damit das Schmuckgeschäft verloren. Man spezialisiert sich immer mehr auf die Herstellung von Zulieferteilen für die weiterverarbeitende Industrie. Es werden neue, vielfältig umstellbare Automaten entwickelt und die Produktionsräume werden mehrmals erweitert.

Während des 2. Weltkriegs kommt die Produktion wegen des Abzugs von Personal und Maschinen sowie durch Kriegsschäden immer mehr zum Erliegen. Zu Kriegsende ist der Betrieb zu 70 % zerstört.

In den Nachkriegsjahren erfolgt zusammen mit der verbliebenen Belegschaft der Wiederaufbau und 1953 übernimmt Wolfgang Distel, der Sohn von Fritz Distel, die Geschäftsführung. In den 1960er und 1970er Jahren wird die Produktionsfläche kontinuierlich erweitert und es kommen neue Maschinen und Anlagen hinzu. Die Herstellung von Zulieferteilen für die Unterhaltungselektronik, für Haushaltsgeräte und für die Fahrzeugindustrie gewinnt immer mehr an Bedeutung. In den 1980er Jahren werden die beengten Räumlichkeiten und die Innenstadtlage immer mehr zum Problem. Notwendige Modernisierungen und Rationalisierungen können nicht mehr umgesetzt werden.

Nach dem Ausscheiden von Wolfgang Distel Ende der 1980er Jahre tritt 1993 sein Sohn Alexander Distel in die Firma ein und übernimmt die Geschäftsführung. Mit tiefgreifenden Sanierungsmaßnahmen wird 1996 das Nachfolgeunternehmen Stanz- und Biegetechnik Distel GmbH & Co KG gegründet. 1998 erfolgt der Umzug in moderne Produktionsräume am nördlichen Stadtrand von Nürnberg.